Italien fiebert TV-Duell zwischen Berlusconi und Prodi entgegen
Italiens politische Szene fiebert dem TV-Duell zwischen Regierungschef Silvio Berlusconi und seinem Herausforderer Romano Prodi heute Abend entgegen. Nach dem Verzicht Berlusconis auf eine umstrittene Pressekonferenz als Ministerpräsident nach dem Wahlduell kommt es seit 1996 zum ersten Wahlkampf-Duell des Ministerpräsidenten mit einem Kontrahenten.
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Bisher hatte sich Berlusconi stets geweigert, sich einem Zweikampf im Fernsehen zu stellen. Die Lage hat sich nun geändert: Ein parlamentarisches Aufsichtsgremium, das mehrheitlich von der Regierungskoalition kontrolliert ist, hat die Regeln streng definiert, nach denen das TV-Duell stattfinden soll. Berlusconi ist zur TV-Schlacht bereit.
Das TV-Duell soll am Montag um 21.00 Uhr im Rahmen der von der RAI ausgestrahlten Polit-Show „Porta a Porta“ gesendet werden und bis 22.30 Uhr dauern. Moderator wird voraussichtlich der Doyen der politischen TV-Journalisten Italiens, Bruno Vespa, sein. Als alternativer Kandidat kommt der Chefredakteur der Tagesschau TG1, Clemente Mimun, in Frage. Der Moderator des TV-Duells soll an diesem Wochenende von RAI-Generaldirektor Alfredo Meocci den Auftrag erhalten.
Sechs Journalisten, deren Namen sowohl von der Regierungskoalition als auch von der Opposition ausgelost werden, dürfen Fragen stellen, die nicht länger als 30 Sekunden dauern. Sogar die Zuschauer im Studio sollen sorgfältig ausgewählt werden. Die beiden Politiker müssen sich außerdem an genaue Regeln halten, was die Zeit zur Beantwortung der Fragen betrifft.
Prodis Sprecher Silvio Sirchiana verlangt minutiös festgelegte Zweikampf-Regeln, wie sie in US-TV-Duellen gelten - schließlich ist die RAI das Staatsfernsehen, und dies könnte dem Premier von Vorteil sein. Prodi will alles genau absprechen: Bestuhlung, Licht, Aufnahmen von Mimik und Körpersprache. Berlusconi, der bei seinen letzten TV-Auftritt das Talent des Showmasters gezeigt hatte, solle mit Gags oder Witze die Wählerschaft nicht beeinflussen, mahnte Sircana.
Die Debatte solle sich schlicht auf das Wahlprogramm der beiden Bündnisse konzentrieren. Der Regierungschef solle in keiner Hinsicht begünstigt werden, mahnte Sircana. Er wird mit Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti zusammentreffen, um die Details des Fernsehauftritts zu diskutieren. Die beiden Politiker sollen sich gegenüber sitzen, der Moderator in der Mitte des Studiums stehen. Die ausgelosten Journalisten, die den Kandidaten Fragen stellen, werden vor den beiden Politikern sitzen. Auch die Regie soll bei der Aufnahme keinen Kandidaten bevorzugen. Verboten sind Aufnahmen des Politikers, der gerade nicht spricht.
„Wir sind in der Lage, live über die Kriege des Planeten zu berichten, wir werden daher auch in der Lage sein, eine TV-Debatte zu organisieren“, ironisierte das Aufsichtsratsmitglied der RAI, Nino Rizzo Nervo.
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