lunedì, aprile 03, 2006

Italien fiebert letztem TV-Duell entgegen

Regierungschef Silvio Berlusconi und sein Herausforderer Romano Prodi kämpfen beim TV-Duell am Montagabend um die entscheidenden Wählerstimmen. Beim zweiten und letzten gemeinsamen Fernsehauftritt der beiden Kandidaten hoffen sie, die Gunst der 13 bis 25 Prozent (je nach Umfrage) der Italiener zu gewinnen, die sich noch für kein politisches Lager entschlossen haben.

Kein Wunder, dass sich die beiden Spitzenpolitiker fieberhaft auf den Fernsehauftritt vorbereiten, den RAI 1 heute um 21.15 Uhr senden wird. Berlusconi hat sich in seine Luxusvilla in der Badeortschaft Porto Rotondo auf Sardinien zurückgezogen, um sich auf den letzten TV-Auftritt vorzubereiten. Ein kleines Team, bestehend aus seinem Pressesprecher Paolo Bonaiuti und zwei Medienexperten, hilft ihm dabei. Die Experten rieten Berlusconi, vor den TV-Kameras keine Notizen aufzuschreiben, wie er beim ersten TV-Duell gegen Prodi vor zwei Wochen pausenlos getan hatte, weil er dabei zu nervös wirke.

Berlusconi, sonst ein sehr selbstsicherer Medien-Performer, hatte beim ersten Wahlduell am 14. März schlecht abgeschnitten. Der Regierungschef hatte irritiert gewirkt. Wiederholt hatte er Prodi „Wirklichkeitsverzerrung“, „Demagogie“ und „Polemisieren“ vorgeworfen, hatte dabei jedoch kaum überzeugend geklungen. Diesmal will Berlusconi optimistischer auftreten. Er will Prodi unter Druck setzen, indem er die Pläne der Opposition anprangert, die Besteuerung der Kapitalerträge von 12,5 auf zirka 20 Prozent anzuheben. Hinzu will Berlusconi die Zersplitterung des heterogenen Mitte-Links-Bündnisses hervorheben, das von der christdemokratischen Zentrumspartei UDC am rechten Rand bis zur altkommunistischen Rifondazione am linken Rand reicht. Prodi werde nicht lang fähig sein, all diese Parteien unter einem Hut zu halten. Dem Land drohe politische Instabilität, lautet Berlusconis Slogan.

Prodi bereitet sich dagegen im Hauptquartier der Opposition in Rom auf das TV-Duell vor. Um Berlusconi in Schwierigkeiten zu bringen, will der Oppositionschef vor allem auf die Probleme des hohen Defizits und der stagnierenden Wirtschaft setzen.

Die Regeln der Fernsehschlacht zwischen den beiden Spitzenkandidaten sind von einem parlamentarischen Aufsichtsgremium, das mehrheitlich von der Regierungskoalition kontrolliert ist, streng definiert worden. Das TV-Duell wird 90 Minuten dauern. Moderator ist Bruno Vespa. Zwei Journalisten werden wie schon vor zwei Wochen nach amerikanischem Vorbild Fragen stellen, die nicht länger als 30 Sekunden dauern. Dieselbe Frage wird an beide Politiker gerichtet. Die Antworten dürfen maximal zweieinhalb Minuten lang sein.

Insgesamt werden die beiden Kandidaten auf acht Fragen antworten. Danach haben sie noch zweieinhalb Minuten Zeit für einen Appell an die Wähler. Zuschauer werden im Studio nicht zugelassen. Die Debatte solle sich schlicht auf das Wahlprogramm der beiden Bündnisse konzentrieren. Die Regie wird bei der Aufnahme keinen Kandidaten bevorzugen. Verboten sind Aufnahmen des Politikers, der gerade nicht am Wort ist.

Die RAI rechnet mit Rekordeinschaltquoten. Die erste Fernsehdebatte zwischen den beiden Politikern hatte vor zwei Wochen 16 Millionen Italiener vor den Bildschirm gelockt. Ähnliche Einschaltquoten werden nur bei Spielen der italienischen Fußball-Nationalmannschaft gemeldet.