Berlusconi, der Herr der Peinlichkeiten
Er vergleicht sich mit Napoleon, Churchill - oder sogar mit Jesus Christus. Er warnt vor den Chinesen, die Babys kochen, und behauptet, die abendländische Zivilisation sei dem Islam überlegen. Er tritt einerseits gern als Playboy auf, gelobt andererseits - aber nicht wirklich - sexuelle Enthaltsamkeit bis zur Parlamentswahl.
Er tritt für seinen Gast Tony Blair als Pirat mit Kopftuch auf - und freut sich, wenn er dem Staatsmann neben ihm auf einem EU-Gipfeltreffen fürs „Familienfoto“ Hörner aufsetzen kann. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist wegen seiner Skurrilitäten, Witze und Entgleisungen international bekannt. Hier eine Auswahl einiger seiner eklatanten Fehltritte:
„DIE ÜBERLEGENHEIT DES WESTENS“: Die westliche Zivilisation und globalisierte Welt ist nach den Worten Berlusconis allen anderen Kulturen, auch dem Islam, überlegen. Die “Überlegenheit“ besteht im Wertesystem des Westens, das zu einem breiten Wohlstand geführt habe und das den Respekt der Menschenrechte und der Religion garantiere, sagt Berlusconi wenige Monate nach seinem Amtsantritt im September 2001. Seine Worte sorgen europaweit für Entrüstung.
„RENTIER-STEAK CONTRA PROSCIUTTO“: Im Streit zwischen Italien und Finnland, wer die künftige Lebensmittelbehörde der Europäischen Union beherbergen darf - Parma oder Helsinki, greift Berlusconi im Dezember 2001 auf dem EU-Gipfel in Belgien die kulinarische Tradition der Finnen an. “ Es scheint mir nicht logisch, eine Agentur in Finnland aufzubauen, einem Land, das sehr stolz auf seine baltischen Fische und auf marinierte Rentiere ist. Die Finnen wissen noch nicht einmal, was ’Prosciutto’ ist“, höhnt er. Die Antwort kommt per Schlagzeile aus Helsinki: „Prosciutto ist Schinken“, Untertitel der größten finnischen Zeitung: “1,2 Millionen Finnen wissen das jetzt. Reicht das, Berlusconi?“
„HÖRNER BEIM FAMILIENFOTO“: Beim traditionellen Familienfoto der EU-Außenminister im spanischen Caceres im Februar 2002 bildet Berlusconi mit Zeige- und kleinem Finger hinter dem Rücken des spanischen EU-Ratsvorsitzenden und Außenministers Josep Pique ein Paar Hörner, in Italien und Spanien das Symbol für einen gehörnten Ehemann. Er tut dies aus Spaß und um damit „die herzliche sympathische Beziehung zu fördern“, wie Berlusconi versichert.
„EHEFRAU VERONICA, MASSIMO CACCIARI UND DER SCHÖNE ANDERS FOGH RASMUSSEN“: Auch das eigene Privatleben ist Berlusconi nicht sakrosankt. Als Klatschzeitungen im Oktober 2002 seiner Ehefrau Veronica Lario ein Verhältnis mit dem linken Philosophen und ehemaligen Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, andichten, rät Berlusconi seiner „armen Frau“, sie möge doch lieber den dänischen Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen erhören, denn „der ist viel schöner“.
„KZ-KAPO SCHULZ“: Beim Antrittsbesuch Berlusconis anlässlich des Beginns des italienischen EU-Vorsitzes im Juli 2003 im EU-Parlament dient der neue EU-Ratsvorsitzende dem deutschen SPD-Abgeordneten Martin Schulz in Reaktion auf dessen provokante Parlamentsrede die Rolle des „Kapo“ in einem Film über Nazi-Konzentrationslager an. Schulz hatte gesagt, Aussagen von Reformenminister Umberto Bossi seien schlimmer als das, was das EU-Parlament im Zusammenhang mit der FPÖ-Regierungsbeteiligung in Österreich kritisiert hatte. „In Italien wird gerade ein Film über Konzentrationslager gedreht. Ich lade Sie ein, die Rolle des Kapo zu spielen“, so Berlusconi - natürlich scherzend, wie er später beteuert.
„DER GESTRECKTE MITTELFINGER“: Bei einem Besuch in Bozen nach dem Wahlerfolg des neu gewählten Bürgermeisters Giovanni Benussi hält Berlusconi im Mai 2005 am Siegesplatz bei einer Kundgebung seiner Partei Forza Italia den „Stinkefinger“ in die Kamera. „Meine Mutter fragte mich kürzlich: ’Eine Person hat dir den Mittelfinger gezeigt. Was bedeutet das?’ Meine Antwort war: ’Na, dass ich die Nummer Eins bin’, sagt Berlusconi - wieder scherzend. Während das Publikum vor Vergnügen grölt, fasst Berlusconi die Südtiroler Landtagsabgeordnete Michaela Biancofiore an der Schulter und zieht sie an sich heran; sichtlich peinlich berührt, versucht Biancofiore kichernd aus dem „Schwitzkasten“ zu entkommen.
„JESUS, NAPOLEON, SCHNEEWITTCHEN UND CHURCHILL“: „Nur Napoleon hat mehr getan als ich, aber ich bin auf jeden Fall größer als er“, so Berlusconi bei einer TV-Sendung im vergangenen Februar. Wenige Tage später vergleicht er sich sogar mit Gottes Sohn: „Ich bin der Jesus Christus der Politik, ich bin ein geduldiges Opfer, ich ertrage jeden, ich opfere mich für jeden.“ Und nachdem er sich einmal als „Zwerg, den man im Garten am besten neben Schneewittchen stellt“ bezeichnet hatte, schwingt er sich Ende März wieder zu ungeahnter Größe auf und vergleicht sich mit dem britischen Premier Winston Churchill, der am 13. Mai 1940 seine Landsleute um Opfer („Blood, Toil, Tears and Sweat“) bat, um die Invasion der Nazis abzuwehren. Originalton Berlusconi, es diesmal ernst meinend: „Oppositionschef Romano Prodi ist immer automatisch nominiert worden, während ich immer mit Tränen, Blut und Schweiß für alles bezahlen musste, was ich unternommen habe.“
„GEKOCHTE BABYS IN CHINA“ : Für Aufregung sorgt Berlusconi schließlich Ende März mit der Behauptung, die chinesischen Kommunisten unter Mao Zedong (Mao Tse-tung) hätten Babys zu Dünger für ihre Felder verkocht. „Man hat mir oft vorgeworfen, ich würde behaupten, dass die Kommunisten Babys essen. Los, geht und lest das Schwarzbuch des Kommunismus und Ihr werdet entdecken, dass sie in Maos China Babys nicht gegessen, sondern gekocht haben, um ihre Felder zu düngen“, so Berlusconi. Auch diese „Ironie“ will niemand verstehen, Peking protestiert heftig.
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